Sonntag, 21. August 2016

Lac Dye - die andere Läusefärbung

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Es ist schon etwas seltsam, das hier unter "Pflanzenfärberei" zu schreiben, aber da es nicht so überragend viele "Tierfärbungen" gibt, ist es ok. Lac Dye. Was ist das? Woher kommt das und was macht man damit?

Was ist Lac Dye?
Der rote wasselösliche Farbstoff wird von der Lackschildlaus (Kerria lacca) geliefert. Man findet sie in Südostasien, wo sie als Parasiten auf Wirtsbäumen leben. Da sie diese zerstören, wurden sie irgendwann kultivert und treiben nun auf sehr kleinen Flächen "ihr Unwesen". Sie leben dort z.B. auf Gummibäumen oder der Pappelfeige. 

Wie wird der Farbstoff gewonnen?
Die Weibchen ernähren dich von den jungen Trieben der Bäume, indem sie denen den zuckerhaltigen Saft aussaugen. Die Männchen begatten die Weibchen und sterben dann ab. Das Weibchen umhüllt sich mit einem harzigen Sekret, das die Larven, die in ihm wachsen, schützen soll. Dieses Sekret härtet aus und bildet dann eine bis zu 8mm dicke Kruste. Luft bekommt die Gute durch kleine Tunnel, die sich in der Kruste befinden. Sind die Larven geschlüpft, kriechen sie dadruch auch nach draussen. Pro Weibchen gibt es ca. 1000 Larven. Nachdem die draussen sind, stirbt das Weibchen ab und alles beginnt mit den neuen Läusen von vorne. Je nach Lausart dauert so ein Zyklus vier bis acht Monate.

Von Harold Maxwell-Lefroy; Bildquelle: Wikipedia

Zweimal im Jahr werden die krustigen Zweige geerntet und in Stücke geschnitten und so als Stocklack verkauft. Daraus wir dann Schellack (Schellackplatten; na wer kennt sie noch?) und auch das Lac Dye hergestellt. Das Lac Dye befindet sich in den Eiersäcken des abgestorbenen Weibchens. Die werden vom festen Sekret getrennt, indem es gemahlen und gewässert wird. Es wird gefiltert und verdampft, bis der Farbstoff übrig bleibt. Das ist dann die Laccainsäure, mit der ich gefärbt habe.

Schellack; Bildquelle: Simon A. Eugster
Lac Dye Pulver


Wie lange gibts das schon?
In China, Tibet, Indien und umzu schon lange. In der Antike nutze  man es dort schon zum Färben von Seide und Wolle für die Kleidungsherstellung, und auch zur Kosmetik wurde es verwendet. Die gefärbte Wolle wurde oft in Teppiche verwebt, die es im Mittelalter auch schon in Europa gegeben haben soll.

Und sonst so?
Und sonst wird heutzutage auch viel damit gemacht. Schellack dient als Überzugsmittel für Drops und Pillen oder als Trennmittel bei Gummibärchen. Auch in Naturkosmetikhaarspray kann es drin sein. Das ist also schon nicht wenig, wenn man bedenkt, dass die Ernte sehr mühsam ist. Wer bisher aus Tierschutzgründen nicht mit Cochenille färben wollte, hätte hier eine Alternative, weil das Weibchen vor der Ernte sowieso abstirbt (weil die Natur das so vorsieht) und die lebenden Larven das Harz verlassen haben, um sich Ihrerseits weiterzuvermehren. Es lohnt sich, die Farben sind großartig.

Die Färbung:
Ich habe mir bei Kremer Pigmente eine Portion Lac Dye gekauft und nach einem Rezept von Dorothea Fischer (über das Buch schreibe ich später noch was) verarbeitet. Von ihr weiß ich, dass sie oft deutlich zu viel Farbstoff verwendet, aber da ich das zum ersten Mal verwendet habe, habe ich mich an eines ihrer Rezepte gehalten. Dafür brauchte ich zum Glück nur 5%, denn Lac Dye ist nicht unbedingt ein Schnäppchen. Mit Alaun und Weinsäure wurde vorgebeizt und der Rest lief ab wie bei einer Standardflottenfärbung. Farbstoff im Wasser auflösen, erwärmen, färben, fertig.

Geplant hatte ich, einen weißen Strang im ersten Zug zu färben und einen vorab mit Indigo gefärbten im zweiten Zug. Interessant war, dass sich das Lac Dye komplett auf die Faser begibt und das Wasser mit der Färbezeit immer klarer wird. Das kenne ich so nur von Säurefarben. Ist natürlich nicht so praktisch für einen zweiten Zug, aber ich wollte es versuchen. Der zweite Strang hat den Rest Farbe schnell weggeschlüft und ich dachte, ich leg noch etwas nach.


Ich habe allerdings den Fehler gemacht, das Pulver so ins heiße Wasser zu geben. Erst wunderte ich mich noch, dass es sich nicht rot verfärbt, bis mir das Licht aufging: gibt man das Pulver ins heiße Wasser, verklumpt es sofort. In meinem Fall mit und in der Wolle (egal, lila ist eh nicht mein Ding; das war nur ein Test). Man kann Farbstoff nachgeben, sollte ihn aber unbedingt vorher in kaltem Wasser lösen.
Am Ende hatte ich also diesen lila Strang, der nun nicht entfernbare Klumpen hat und einen wunderbar knallroten, nicht ausblutenden Wolle-Seide-Strang in den ich mich schon ein bisschen verliebt habe.


Ich werde auf jeden Fall weitere Rezepte testen, denn der Farbstoff hat mich überzeugt. Allerdings werde ich an den Mengen schrauben. Mal sehen, wie weit ich mit meiner Farbstoffdose noch komme.

Ein Buch zum Thema
Ich hatte eben Dorothea Fischer erwähnt. Viele kennen ihr "Naturfarben auf Wolle und Seide"-Buch. Ein Buch, dass ich ganz toll finde und das gerade auch für Färbeanfänger super ist (aber nicht nur für die). Wenn man es nicht auf historische Korrektheit anlegt, ist das ein wirklich tolles Buch. Frau Fischer hat auch zum Lac Dye ein Buch geschrieben. 


Mit fast 30 € auch nicht das günstigste, aber ich dachte, wenn das so schön ist wie das vorige, lohnt sich das. Leider wurde ich etwas enttäuscht. In dem Buch findet sich natürlich eine Beschreibung, was Lac Dye ist, wo es herkommt, ein ganz kleiner geschichtlicher Ausflug usw. Das ist nicht verkehrt. Des weiteren liest man einen Reiseberichteiner Dame, die sich mit dem Thema beschäftigt hat. Soweit auch interessant. Aber dieser Bericht ist danach nochmal auf englisch abgedruckt und ich frage mich: wozu? 
Die ersten 51 Seiten von 160 sind somit schon voll. Es folgt ein allgemeines "wie färbe ich". Auf 27 Seiten folgt dann ein reich bebilderter Rezeptteil mit sage und schreibe sieben Rezepten. 40 weitere Seiten werden mit bildreichen Strickanleitungen gefüllt. In einem Färbebuch? Muss das sein? Nach einem dreiseitigen Bildnachweis folgt dann 10 Seiten lang eine sehr farbige Aufreihung von Shops, in denen man Material kaufen kann (in ein paar Jahren gibts die im schlimmsten Fall gar nicht mehr). Die Seiten zwischen den einzelnen Abschnitten sind komplett leer. Weiß. Nicht gefüllt. Die verwendeten Bilder sind teilweise doppelt (Blickwinkel von rechts, während jemand den Strang aus dem Topf hebt, Blickwinkel von links - gleiche Szene) und auch überflüssig (Menschen beim Bügeln). Menschen beim Stang ausquetschen von links, Menschen beim Strang ausquetschen von rechts. Versteht Ihr, was ich meine? Es wurden wirklich sehr viele Bilder als Füllmaterial verwendet, weil das Buch textlich nie und nimmer auf 160 Seiten gekommen wäre. Leere Seiten, Füllbilder und eine unschöne, leicht hingehuschte Formatierung der Texte und Bilder geben ihr Übriges. Ich frage mich, warum man das macht? Die Informationsausbeute dieses Buches beträgt mit Hängen und Würgen ein Drittel. Wenn überhaupt. 

Naja nun habe ich es hier liegen. Ist dann so. Zur farblichen Ausbeute von Lac Dye kann ich jedenfalls sagen; es lohnt sich. Ich werde noch eine kleine Portion ins Sonnenfenster hängen und eine in eine schwarze Schachtel packen. Mal sehen, wie lichtecht das Ganze ist.

Rote Grüße...


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Kommentare:

  1. Sieht ja interessant aus... ich glaub da beschäftige ich mich auch mal mit... Der Strang sieht aber toll aus. Genau meine Farbe.

    LG
    Tanja

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    1. Mach das mal; die Farben sind wirklich sehr schön. Ich bin gespannt ob der Lichtechtheit.

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