Mittwoch, 7. September 2016

Ein Rückblick zum Wollfest in Hamburg

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Hahaha zwei Posts hintereinander vom Hamburger Wollfest; schlau gemacht. Da müsst Ihr jetzt durch.



Nun... da wartet man zwei Jahre drauf und schon ist es wieder rum. Das Wollfest in Hamburg fand dieses Jahr nicht im Audimax statt sondern in einer Musikschule nicht weit vom alten Ort entfernt. Vorteil: sollte es dieses Jahr wieder so heiß werden wie 2014, wären Klimaanlagen vorhanden. Brauchte man aber gar nicht, denn das Wetter war ehr herbstlich (was mich persönlich gar nicht stört). Unsere Eintrittsbändchen hatten wir uns schon vorab organisiert, was nicht verkehrt war, denn die Schlangen waren lang am Samstag Morgen. Damals ist mir das nicht so sehr aufgefallen, weil er alte Ort nicht so verwinkelt war und sich die Menschenschlangen nicht so massig anfühlten. Wir sind jedenfalls flink rein und haben nach einem kurzen "was findet sich wo" Rundgang erstmal Kaffee geholt. Ich habe anderswo schon gelesen, dass sich über den Preis mokiert wurde. Ja, 2,50€ sind nicht immer ein Schnäppchen. Aber hej, wer so viel Geld für Wolle ausgibt, hat das auch noch übrig; bei Starbucks stellt sich auch keiner so an, da kostet das weit mehr.

                        

Wir mussten danach aber auch schon los, denn wir hatten einen Kurs gebucht. Während eine von uns zu einem Fair Isle Kurs ging, saßen wir zu dritt bei Asa Tricosa. Wer sie nicht kennt: sie ist eine schwedische Designerin, die mit dänischem Mann in Deutschland lebt :) Eine wirklich nette Frau, die uns ihre Ziggurat-Methode in wirklich knappen drei Stunden beigebracht hat. Als sie reinkam, meinte sie schon, wir müssten etwas ranklotzen. Wir haben eine komplette Schulterpartie eines Top-Down-Sweaters gestrickt (ok, in Babykleidungsgröße; für mehr hätte die Zeit nicht gereicht). Die Methode selber ist im Grunde schon einfach, aber hätte ich alleine vor der schriftlichen Anleitung gesessen, hätte ich mir garantiert die Haare gerauft. Aber so... Sie hat alle Schritte echt gut erklärt und ich habe sehr viel Freude an dem Kurs gehabt. Wer also die Möglichkeit hat, einmal bei Ihr etwas zu lernen, der soll sie wahrnehmen. Zwar finden ihre Kurse in englischer Sprache statt, aber ich glaube, auch für weniger Geübte dürfte das kein Problem sein. 

Während der Kurs lief, haben wir (zu meiner großen Freude) das Anfangsgedränge verpasst. Bei der Wollmeise soll es ja schon wieder heiß her gegangen sein, aber all das schwebte an uns vorbei. Mein Focus liegt eh wo ganz anders. Nach diesen drei Stunden hatte ich nämlich erstmal Hunger, und eine Bockwurst musste her. Danach gings auch für uns ins Getummel. Es waren sehr viele Leute da, aber immerhin konnte man schonmal herumgehen und auch was sehen. Mein erster gezielter Weg führte mich zu STwist Wool. Ich sage nur irish, handspun, naturally dyed, genau meins! Wer mal hier liest, stellt fest, dass die Wolle extrem schonend verarbeitet und pflanzlich gefärbt wird. Die Wolle stammt von Schafen aus der Gegend und all das zieht mich quasi magisch an. Ich habe mir zwei Knäule Naturfarbenes mitgenommen, einmal vom Jacob Schaf aus und einmal Shetland; beide aus Wicklow. Als ich den Verkäufer ansprach, meinte er, wir kennen uns doch und wir hätten uns doch in Edinburgh schon unterhalten. Ja, das kann sein, die Welt ist jedenfalls mal wieder eine Erbse. Ich habe ihn gefragt, ob er im nächsten Jahr wieder dort ist, aber das wollte er von Verkaufserfolg hier in Hamburg abhängig machen. Leider leider bin ich glaube ich eine der Wenigen, die nicht unbedingt auf kunterbunte Merinowolle steht, sondern das Besondere, eigentlich das Natürliche sucht. Aber wer weiß, ich schreibe ihm mal, vielleicht kann ich ihn überreden. 



Sabine war auch da. Die kenne ich von meinen Spinntreffen, und Sabine macht tolle Pflanzenfärbungen. Wir haben ein bisschen geplaudert und ein Lacestrang musste dringend mit. Der ist im Übrigen mit Alkanna gefärbt. Mal sehen, was daraus werden wird.



Nach unserem Kurs haben Nathalie und ich beschlossen, unser Wissen gleich mal umzusetzen, und ein Modell von Asa Tricosa zu stricken. Ich habe mir die Strickjacke Kronoki ausgesucht und brauchte dafür Wolle. Eigentlich hätte ich gerne bei The Little Grey Sheep gekauft. Auch wieder so ein britischer Händler, der mal was anderes hat, und mich allein deswegen schon interessiert. Deren Wolle war wundervoll, aber gerade in der Farbe, die mir als erstes ins Auge sprang, waren nicht mehr genügend Knäule da. Mist! Fündig bin ich dann beim Wollkenschaf geworden. Leider auch "nur" Merino, aber in einer schönen erdigen Farbe und mit einem lustigen Logo :) The Little Grey Sheep muss warten, bis ich wieder in UK bin (so lange dauert das ja nicht mehr). Bis dahin werde ich mir also hieraus eine feine Strickjacke machen!



Ich glaube fast, das war auch schon der Samstag. Wir haben uns noch eine Weile in die Lounge gesetzt und gesabbelt und gestrickt. Ich habe an diesem Tag viele liebe Leute wiedergesehen und neu kennen gelernt. Die Sandra vom Tierischen Gestricke Podcast habe ich schon morgens in der Ubahn getroffen. Alles in allem ging der Tag so rasend schnell rum, dass ich fast froh bin, mich nicht ganz fest verabredet zu haben. Das wäre schnell stressig geworden. Aber man findet sich ja früher oder später auch so. Am Ende des Tages haben wir uns dann noch mit einem Haufen Frauen aus der Ravelry Podcastergruppe im Balutschistan zusammengefunden; ein pakistanisches Restaurant mit wirklich leckerem Essen. Nachdem wir die Kellner etwas genervt und verwirrt haben, haben wir auch genügend Tische anbauen können, damit alle Platz hatten. Fein wars, auch wenn ich gegen 21 Uhr schon wieder in der Bahn nach Hause saß. Müde war ich, und platt.



Schnell geschlafen, sind wir Sonntag wieder zum Ort des Geschehens gefahren. Dieses Mal waren die Schlangen nicht lang und auch an den Verkaufsständen war es unglaublich entspannt. Man tröpfelte so dahin und hat noch dies und das gefunden. Für mich gabs als erstes zwei pummeligflauschige Alpakastränge von Seehaver & Siebert. Daraus muss dringend ein Cowl werden, auch wenn ich nicht das Muster dafür verwenden kann, was ich im Kopfe hatte. Da muss ich noch tricksen. Aber draussen sind es aktuell (während ich den Artikel schreibe) weit über 25 Grad, von daher ist das noch nicht akut. Fein in hell- und dunkelgrau macht das schon was her, finde ich.



In einer Ecke stand ein kleiner Stand mit handgesponnener Wolle. Teils war die gefärbt, teils nicht. Es hingen noch Pflanzenkrümelchen drin und das Ganze roch noch leicht nach Schaf. Wieder genau meins, also habe ich mir einen Strang Zwartbless gekauft. Gereizt hat mich die Ungleichmäßigkeit, das finde ich in dem Strang sehr schön. Und die Farbe; ich liebe tiefes braun! Klar kann ich das auch selbst, und klar kann ich das auch gleichmäßig, aber darum ging es gar nicht. Die Verkäuferin ist übrigens eine Schottin gewesen (es zieht mich wieder magisch auf die Inseln), aber sie lebt in Deutschland. Ihr Shop heißt Woolyimpi und ich mochte, was sie anbot.



Zwischendrin haben wir uns nochmal nach draussen gesetzt und gestrickt. Ab und zu muss man mal sitzen und runterfahren. Irgendwann sind wir zum Balzac Coffee rübergegangen und haben uns Süßes geholt, weil es auf dem Wollfest leider keinen Kuchen gab (oder wir haben ihn nur nicht gefunden). Wir brauchten nämlich Energie, denn wir hatten auch wieder einen Kurs vor uns. Den Fotokurs von Nicolor. Nicola designt unter Anderem tolle Strickstücke und hat uns etwas darüber erzählt, wie man seine Werke fototechnisch in Szene setzt. Nun ist es so, dass ich fotografieren kann, wenn ich Lust und Zeit habe, aber ich höre mir auch gerne Ideen anderer an, denn manchmal bekommt man doch Tipps, auf die man noch so gar nicht gekommen ist. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht; ich mag Ihre Art sehr gerne! 

Bevor ich es vergesse, ich habe ja noch zweimal Wolle für find-ich-einfach-schön mitgenommen. Aus dem BC Wolle-Leinen-Seide-Garn in "meinem" rot wird ein schmaler Schal und aus dem Glitzergarn von PondeRosa (was ist los, ich bin nicht der Glitzertyp) werden natürlich Socken. Die Farbe sprach mich an, und Glitziblitzi trage ich nur an den Füßen!

 


Fazit:
Das Fest hat mir sehr gut gefallen. Die neue Location war gut, wenn auch manchmal verwirrend. Um von einer Verkaufsebene zur anderen zu kommen, musste man durch einen riesigen Fahrstuhl durchgehen. Wir haben häufig gelacht bei dem Versuch, noch schnell durchzuhuschen. Leider war in dem einen Raum kein Tageslicht, das fand ich im Audimax damals weit besser, aber ich möchte mich nicht beschweren. Das Gebäude eignete sich super und durch das Umherwandeln durch die Gänge und die Ebenen traf man immer mal jemanden. Leider ist ja nicht immer Zeit, sich mit jedem ausgiebig zu unterhalten, aber ich habe mich trotzdem über jedes einzelne bekannte Gesicht riesig gefreut!  Sitzgelegenheiten gab es gefühlt nicht so viele, aber wirklich schlimm fand ich das nicht. Die Händlerauswahl war wieder super! Enttäuscht war ich lediglich von den angebotenen Spinnfasern. Es gab fast nur Merino oder Merinomischungen, die mich leider nicht reizen. Auch die Färbungen haben mir nicht gefallen. Aber das ist wohl auch ganz gut so, wenn ich an meine Vorräte denke :) Jedenfalls Daumen hoch für die Veranstalterinnen! Weiter so, ich freue mich auf das nächste Fest, wenn es denn stattfinden sollte!

In diesem Sinne...







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Kommentare:

  1. Hallo ,
    Wie gut das so ein Fest bei uns nicht gibt . Ich wäre vermutlich mit viel mehr Wolle heim gefahren wie Du :))
    LG Heidi

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  2. Hihi das mag sein :) Zu Wollfesten kann man übrigens auch reisen; Hamburg ist eine schöne Stadt!

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